Persönlichkeitsstörungen; ÖAGG Seminar vom 18.11.2017

 

Definition der Persönlichkeitsstörung nach ICD-10

 

Ein charakteristisches und überdauerndes Muster von innerem Erleben und Verhalten, das deutlich von kulturell erwarteten und akzeptierten Normen abweicht und zu klinisch bedeutsamen Leid oder Funktionsbeeinträchtigung führt.

 

Das Muster manifestiert sich in den Bereichen:

 

(1)    Kognition

 

(2)    Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen

 

(3)    Affektivität

 

(4)    Impulskontrolle

 

Die Abweichung ist stabil, beginnt in der späten Kindheit oder Adoleszenz und kann durch eine andere psychische Störung, organische Störung, oder deutliche Funktionsstörung des Gehirns erklärt werden.

 

 

 

Definition der Persönlichkeitsstörung nach DSM IV

 

Das überdauernde Muster ist unflexibel und tiefgreifend in einem weiten Bereich persönlicher und sozialer Situationen.

 

Es imponiert ein klinisch bedeutsames Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.

 

Das Muster ist stabil und lang andauernd, der Beginn ist zumindest bis in die Adoleszenz oder ins frühe Erwachsenenalter zurückführbar.

 

Das überdauernde Muster

 

-          lässt sich nicht besser als Manifestation oder Folge einer anderen psychischen Störung erklären.

 

-          geht nicht auf die direkte körperliche Wirkung einer Substanz oder eines medizinischen Krankheitsfaktors zurück.

 

 

 

Klassifikation der Persönlichkeitsstörungen

 

 

ICD-10

DSM-IV

Cluster A

sonderbar,

exzentrisch

Paranoide PST

Schizoide PST

Paranoide PST

Schizoide PST

Schizotypische PST

Cluster B

dramatisch,

emotional

Emotional instabile PST (vom Borderline-Typ
oder vom impulsiven Typ)
Histrionische PST

Dissoziale PST

Borderline PST

Histrionische PST

Antisoziale PST

Narzisstische PST

Cluster C

ängstlich,

vermeidend

Ängstliche PST

Abhängige PST

Anankastische PST

Passiv-aggressive PST

Selbstunsichere PST Dependente PST

Zwanghafte PST

(Passiv-Aggressive PST)

 

 

 

CLUSTER A

 

Paranoide Persönlichkeitsstörung

 

—  Überempfindlichkeit gegenüber Kritik der Normorientierung eigenen Handelns sowie ein durchgängiges Misstrauen und eine Neigung, anderen bösartige Motive gegen die eigene Person zu unterstellen.

 

Schizoide Persönlichkeitsstörung

 

—  Gleichgültigkeit gegenüber sozialen Situationen und sozialer Rückzug und eine eingeschränkte emotionale Ausdrucksfähigkeit in zwischenmenschlichen Kontexten

 

Schizotypische Persönlichkeitsstörung

 

—  Soziale und zwischenmenschliche Defizite, die jeweils von einem akut erlebten Unbehagen und von Mängeln in der Beziehungsfähigkeit begleitet werden, sowie kognitive oder Wahrnehmungsstörungen und ein exzentrisches Verhalten

 

CLUSTER B

 

Borderline Persönlichkeitsstörung

 

—  Intensive und zugleich instabile zwischenmenschliche Beziehungen, impulsives und teils selbstdestruktives Verhalten, deutliche Wechsel in der Stimmungslage und im Selbstbild

 

Histrionische Persönlichkeitsstörung

 

—  Eine Neigung zur Emotionalisierung und Inszenierung zwischenmenschlicher Beziehungen und ein übermäßiges Verlangen nach Aufmerksamkeit

 

Narzisstische Persönlichkeitsstörung

 

—  Eine Neigung zur Selbstwertüberhöhung bei gleichzeitiger Überempfindlichkeit gegenüber Kritik und reduzierter Empathiefähigkeit

 

Dissoziale Persönlichkeitsstörung

 

—  Kontinuierliche Missachtung und Verletzung der Rechte anderer bei fehlender Scham, fehlendem Verantwortungsgefühl und Mangel an Empathie (seit Kindheit und Jugend)

 

CLUSTER C

 

Selbstunischere Persönlichkeitsstörung

 

—  Soziale Gehemmtheit, Gefühle persönlicher Unzulänglichkeit und Überempfindlichkeit vor negativer Beurteilung durch andere

 

Dependente Persönlichkeitsstörung

 

—  Abhängiges, unterwürfiges Verhalten; mangelnde Selbstständigkeit und Entscheidungsunfähigkeit; Angst vor Verlassenwerden und vor Kritik

 

Zwanghafte Persönlichkeitsstörung

 

—  Detailorientierter Perfektionismus und übertriebene Sorgfalt auf Kosten persönlicher Flexibilität, Aufgeschlossenheit und Effizienz